
Was sich verändert, wenn wir unseren Farbtyp nicht nur kennen, sondern lernen, mit unseren Farben zu spielen.
„Welche Farben stehen mir?“ – mit dieser Frage beginnt eine Farbberatung meistens.
Aber eigentlich beginnt die wirklich spannende Arbeit erst nachdem der Farbtyp feststeht.
Denn dann kommen die Fragen, die im Alltag wirklich relevant sind:
Kann ich weiterhin Schwarz tragen?
Was ist mit meinem geliebten Royalblau?
Muss jetzt alles aus meinem Kleiderschrank verschwinden, was nicht exakt in meiner Farbpalette liegt?
Welche Haarfarbe passt eigentlich wirklich zu mir?
Warum empfinde ich meine Naturhaarfarbe eigentlich als langweilig?
Und kann ich meine Farben sogar bewusst einsetzen – je nachdem, welche Wirkung ich gerade brauche?
Für mich bedeutet Farbberatung deshalb nicht, einen Farbtypen zu bestimmen und anschließend eine Liste mit „richtig“ und „falsch“ mitzugeben.
Es geht darum, zu verstehen, wie Farbe mit uns arbeitet – und zu lernen, mit unseren Farben zu spielen.
Denn der eigene Farbtyp ist keine Grenze.
Was passiert, wenn eine Farbe stärker ist als wir?
Nehmen wir als Beispiel einen Farbtyp aus dem saw.® System: den Twilight Winter.
Der Twilight Winter ist mit der Winterfamilie verwandt. Deshalb sind klassische Winterfarben wie Schwarz, Weiß oder Royalblau an ihm nicht grundsätzlich falsch.
Trotzdem gibt es einen entscheidenden Unterschied.
Die Farben des reinen Winters besitzen mehr Kraft und Intensität. Ein sehr kräftiges Royalblau oder hartes Schwarz kann deshalb dominanter wirken als der Twilight Winter selbst.
Plötzlich sehen wir zuerst die Farbe – und erst danach den Menschen.
Der Teint kann blasser erscheinen, die Gesichtszüge treten zurück und die Farbe nimmt mehr Raum ein, als sie eigentlich sollte.
Das bedeutet aber nicht automatisch:
Schwarz muss raus.
Ganz im Gegenteil. Eine gute Farbberatung soll uns zeigen, wie wir auch mit solchen Farben umgehen können.
Nicht alles, was nicht perfekt ist, muss aus dem Kleiderschrank
Besonders entscheidend ist das, was unmittelbar in Gesichtsnähe passiert.
Ein schwarzes T-Shirt kann beim Twilight Winter beispielsweise mit einem typgerechten Schal, einer Strickjacke, Schmuck, einer Mütze oder einem passenden Lippenstift kombiniert werden.
Dadurch wird das Schwarz eingebettet und seine Wirkung verändert.
Das funktioniert auch in die andere Richtung.
Der Twilight Winter besitzt ebenfalls eine Verbindung zur Sommerfamilie. Ein sehr zartes Flieder kann alleine möglicherweise zu schwach und kraftlos wirken. Kombinieren wir es aber beispielsweise mit einem passenden Dunkelblau und bringen dieses näher ans Gesicht, bekommt das gesamte Outfit wieder mehr Stabilität.
Genau deshalb geht es nach einer Farbberatung nicht darum, den kompletten Kleiderschrank auszutauschen.
Es geht darum, zu verstehen:
Welche Farben funktionieren alleine? Welche brauchen Unterstützung? Und bei welchen Farben möchten wir überhaupt noch Kompromisse machen?
Denn etwas Interessantes passiert häufig ganz von alleine: Sobald wir erleben, was unsere richtigen Farben mit uns machen, verlieren manche früheren Lieblingsfarben plötzlich ihre Bedeutung.
Nicht weil sie „verboten“ wurden.
Sondern weil wir den Unterschied sehen.
Mein Tipp für Winter-Mischtypen: Wenn ihr gerne mit Schwarz, Royalblau & Co. spielt, holt euch zusätzlich die reine Winterpalette dazu. Sie gibt euch beim Kombinieren noch mehr Spielraum und hilft dabei, die verwandten Winterfarben gezielter einzusetzen. Die Farbpässe der verwandten Farbfamilien bekommt ihr deshalb im Concept Shop zum Family-Preis.
Denn unser Farbtyp soll keine Grenze sein. Je besser wir unsere eigene Farbwelt und ihre Verwandtschaften verstehen, desto freier können wir mit ihr umgehen.
Ist meine Naturhaarfarbe wirklich langweilig?
Auch die Haarfarbe gehört für mich unbedingt zu einer ganzheitlichen Farbberatung.
Viele Menschen empfinden ihre Naturhaarfarbe irgendwann als langweilig. Sie glauben, ihnen fehle Wärme, Helligkeit oder Kontrast – und beginnen mit wärmeren Tönen, Highlights oder Strähnchen zu arbeiten.
Dabei lohnt es sich, zunächst eine ganz andere Frage zu stellen:
Ist meine Naturhaarfarbe wirklich langweilig – oder habe ich bisher einfach nicht die Farben getragen, die sie zum Strahlen bringen?
Beim Twilight Winter sind beispielsweise kühle und aschige Haarfarben besonders harmonisch. Auch der eigene Naturfarbton kann plötzlich vollkommen anders wirken, sobald die richtigen Kleidungsfarben, Schmuckfarben und Make-up-Nuancen dazukommen.
Deshalb empfehle ich häufig, nach einer Farbberatung nicht sofort die Haare zu verändern.
Erst einmal die eigenen Farben tragen. Sich darin erleben. Das neue Gesamtbild kennenlernen.
Und dann die Naturhaarfarbe noch einmal anschauen.
Vielleicht ist sie gar nicht langweilig.
Vielleicht konnte sie bisher einfach noch nicht richtig wirken.
Und wenn anschließend trotzdem der Wunsch nach Veränderung bleibt, wissen wir zumindest, in welche Richtung wir gehen können – beim Twilight Winter beispielsweise eher kühl und aschig statt warm.
Können wir Farben bewusst für unsere Wirkung einsetzen?
Noch spannender wird es, wenn wir anfangen, unsere Farben nicht mehr nur nach „steht mir“ und „steht mir nicht“ zu betrachten.
Denn innerhalb der eigenen Farbwelt können wir mit unterschiedlichen Nuancen ganz unterschiedliche Seiten von uns unterstützen.
Gerade Menschen, die beruflich intensiv mit anderen Menschen arbeiten, wünschen sich manchmal beispielsweise mehr Ruhe, Klarheit oder Abgrenzung.
Beim Twilight Winter können dafür Blau- und Grüntöne interessant sein. Auch Anthrazit oder Dunkelgrau können eine ruhige, klare Alternative zu hartem Schwarz sein.
Andere Farben können wiederum weicher und nahbarer wirken und damit genau dann interessant werden, wenn wir bewusst mehr Nähe zeigen möchten.
Bei saw. können wir diesen Gedanken mit den Essenzfarben noch weiter vertiefen und beispielsweise betrachten, welche individuelle Nuance als Powerfarbe eine besondere Rolle spielt.
Dabei geht es nicht darum, Farben starre oder allgemeingültige Eigenschaften zuzuschreiben.
Es geht darum, die eigene Farbwelt kennenzulernen und für uns herauszufinden, wie wir uns mit unterschiedlichen Nuancen fühlen und wie wir sie bewusst einsetzen möchten.
Was bringt uns eine Farbberatung also wirklich?
Am Ende sollten wir nach einer Farbberatung nicht einfach wissen:
„Ich bin Farbtyp XY.“
Wir sollten verstehen, was dieses Ergebnis für unseren Alltag bedeutet.
Welche Farben bringen uns zum Strahlen?
Welche Nuancen sind zu stark oder zu schwach?
Wie können wir vorhandene Kleidung weiterhin kombinieren?
Welche Kompromisse funktionieren?
Welche Haarfarben harmonieren mit uns?
Und wie können wir unsere Farbpalette so nutzen, dass sie nicht zu einer Einschränkung, sondern zu einem Werkzeug wird?
Genau das ist für mich Farbberatung.
Nicht die Entscheidung zwischen „darf ich tragen“ und „darf ich nicht tragen“.
Sondern ein tieferes Verständnis dafür, welche Art von Ausdruck unserem eigenen Wesen entspricht.
Denn am Ende geht es nicht darum, durch Farben jemand anderes zu werden.
Es geht darum, sichtbar zu machen und zu bestätigen, was vielleicht längst da ist:
die eigene Persönlichkeit, das eigene Wesen und das Gefühl, bei sich selbst angekommen zu sein.
Unser Farbtyp ist keine Grenze. Je besser wir ihn verstehen, desto mehr Möglichkeiten haben wir, mit unseren Farben zu spielen.
Das Schönste an uns sind wir.
Herzlichst,
Frau saw.





